So long, and thanks for all the fish

Heute ist nach 17 Jahren mein letzter Arbeitstag als Geschäftsführer von Golem.de. Ein Blick zurück auf die Anfänge sowie ein großes „Danke!“ an meine Kollegen und viele treue Leser.

Macht’s gut, liebe Leser, von denen uns einige seit den Anfangstagen treu begleiten und die immer mehr geworden sind: Mehr als 500.000-mal am Tag ruft ihr die Homepage von Golem.de ab, in der Erwartung, etwas Neues, Interessantes, Relevantes und Lesens- oder Sehenswertes zu finden. Diese Erwartungen jeden Tag aufs Neue zu erfüllen, war mir 17 Jahre lang eine Herausforderung und hat mir viel Spaß gemacht. Danke!

Angefangen hat Golem.de als schwarzes Brett in der Berliner Mailbox „Horseshoe“, benannt nach der kanadischen Lieblingskneipe des Sysops. Wir nannten es Mailboxzeitung, da nicht jeder auf dieses Brett schreiben durfte, und hofften, das eine oder andere Testmuster abgreifen zu können. 1995 ging die Mailbox dann ins Internet und aus der Mailboxzeitung wurde ein Onlinemagazin mit dem passenden Namen „Horseshoe Online„. Es ging nicht um Pferde, obwohl wir auch dieses Thema in unserer Rubrikenstruktur hätten unterbringen können, hatten wir doch mehr Rubriken samt handgezeichneten Icons als Artikel.

Zur Cebit 1997 gab es dann einen neuen Anlauf mit drei Magazinen: GolemX-KwiSite und In Res Publica. Zusammen mit Christian Klaß übernahm ich, damals noch Schüler, den Computerteil Golem. Ich wollte unbedingt mitmachen und habe laut genug „hier“ geschrien. Das macht sich am Ende des Studiums bestimmt mal gut im Lebenslauf, war meine Hoffnung.

1998 folgten die Firmengründung und das erste Büro, eine Ecke im Lager des Berliner Computergroßhändlers Microcity. Wir konnten die Standleitung (128 KBit/s) unseres Providers Skygate mitbenutzen. Dort entstanden auch die ersten Versionen unseres Redaktionssystems. Die Miete war billiger als die Einwahl ins Internet, sehr zur Freude meiner Eltern. Ohne die damalige Unterstützung von Holger Brien und Jens Löwenstein von Microcity und vor allem Stephan Jensen von Skygate hätte es Golem.de mit Sicherheit nie gegeben.

Heute, rund 17 Jahre und mehr als 25.000 geschriebene Artikel später, beginnt für mich ein neues Kapitel, denn heute ist offiziell mein letzter Arbeitstag als Geschäftsführer von Golem.de. Heute wird Golem.de mehr als 12 Millionen Mal im Monat besucht, hat rund 25 Mitarbeiter, arbeitet mit Medien wie Zeit Online, Süddeutsche.de, Handelsblatt.com und Wirtschaftswoche Online zusammen. Golem.de ist erwachsen geworden, ich auch. In meinem Lebenslauf haben sich eine Menge Golemjahre angesammelt.

Ich habe mich dafür entschieden, nach dieser langen Zeit einmal etwas komplett anderes zu tun. Ich werde nach Ende einer kurzen Pause in die Geschäftsführung des Berliner Webhosters Syseleven einsteigen, wo unter anderem auch Golem.de gehostet wird. Es ist keine Entscheidung gegen Golem.de, sondern für etwas Neues. Und so werde ich Golem.de hoffentlich noch lange Zeit begleiten, als Berater, als Leser und dank unserer Autorenplattform von Zeit zu Zeit auch als Autor.

Zudem hoffe ich, endlich dazu zu kommen, ein paar Gedanken zu Themen wie Journalismus, Werbung und Adblocker sowie zu den Herausforderungen für Medien in meinem privaten Blog unter ji.de aufzuschreiben – Fragen, mit denen ich mich in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt habe. Und ich freue mich über jeden, der mir auf Twitter unter @ihlenfeld oder Google+ folgen will. Ich verlasse Golem.de beruhigt, denn mit Benjamin Sterbenz als neuem Chefredakteur ist Golem.de in guten Händen. Trotzdem gehe ich mit schwerem Herzen.

Macht’s gut, ihr fleißigen Kommentatoren im Forum! Vielen Dank für eure Ansprüche, für eure lesenswerten Beiträge, für die emotionalen Diskussionen und auch für eure rumpelige Kritik – danke für den ><((((*>.

Und liebe Kollegen, mit denen es eine Freude war zu arbeiten: Danke für die Butter bei die Fische!